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„Die Wissenschaft ist eine Aktivität, die innerhalb eines sozialen Feldes stattfindet. Die Veränderungen, die der Lauf
der Zeit mit sich bringt, zeichnen keine Annäherung an die absolute Wahrheit auf, sondern die Änderungen von kulturellen Kontexten, die die
Wissenschaft so stark beinflussen. Fakten sind nicht einfach reine und unbefleckte Bausteine von Information; Kultur beeinflusst was und wie wir sehen.
Und Theorien sind keine unumstößlichen Ableitungen von Fakten. Die kreativsten Theorien sind ohnehin oft erfindungsreiche Visionen, die
den Fakten eingeschrieben werden; und die Quelle der Imagination ist überwiegend kultureller
beeinflußt.“
Das wird von Lewontin noch zusätzlich betont und weiter ausgeführt: „Obwohl die Wissenschaft sich über die Gesellschaft
erhebt wie früher die Kirche, ist sie vor allem eine soziale Institution, welche die jeweils dominanten Werte und Anschauungen einer Gesellschaft
innerhalb ihrer jeweiligen Epoche reflektiert
und verstärkt.“
Trotz dieser gemeinsamen Basis sind wir KünstlerInnen, nicht WissenschaftlerInnen. Wir sind nicht einmal ExpertInnen auf den Gebieten,
mit denen sich unsere Arbeit überschneidet und zwar weil wir uns letztendlich nicht mit der Illustration von Fakten auseinandersetzen, sondern mit
der Produktion von Arbeiten, die Fragen stellen. Wir beschäftigen uns z. B. nicht mit Immigration an sich, sondern mit den Bildern, die in unserer
Gesellschaft die sichtbare Oberfläche dieses Themas bilden. Nicht mit der Realität, sondern mit ihrer Repräsentation. Andererseits haben
die Wissenschaft (und Pseudo-Wissenschaft) darauf Einfluss, weil sie ebenfalls innerhalb der Gesellschaft positioniert sind, nicht nur ihren Strömungen
ausgesetzt, sondern oft der Impetus dafür. |
Obwohl es viele Unterschiede gibt, teilen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen viele gemeinsame
Grundlagen - sie alle sind Teil des Konstrukts namens Gesellschaft. Auch über WissenschaftlerInnen kann man sagen, dass sie bei ihrer Selektion
von Daten, dem Aufstellen von Hypothesen und deren Überprüfung an Hand von Experimenten, nicht außerhalb der Gesellschaft stehen, daß sie
also Personen sind, die ihre eigenen, ganz persönlichen politischen und sozialen Agenden besitzen: |