M[eine M]igration oder geistige Migrationen

EXIT

 

Die Menschen, die uns aus diesen Porträts heraus anblicken, tun dies aus einer zweifach konstruierten Welt. Echte Menschen, in echten Kostümen, an wirklichen Orten. Und doch sind sie alle aus Wien, die Kostüme stammen aus ihren angenommenen Welten, und die Schauplätze findet man weder auf einem weit entfernten Kontinent, noch auf einer der vielen Inseln dieses Planeten, sondern vielmehr in und in der Nähe von Wien. Ihre eigene Umgebung verwandelt sich so zum Filmset, zum Hintergrund der angenommenen Identität. Die Fähigkeit der Kamera, uns gleichzeitig an einem Ort festzumachen und von diesem Ort loszulösen, überredet uns, dass wir uns tatsächlich in einem englischen Wohnzimmer, in der Wüste der Tuareg oder in der Masai Savanne befinden.
 

 

Die Serie Xenographische Ansichten zeigt Bilder von Menschen, die eine andere Kultur als wichtigen Teil ihrer Identität angenommen haben, ohne dabei ihre eigene aufzugeben (oder aufgeben zu wollen). Die verkleiden sich nicht nur für ein paar exotische Momente. Es geht nicht um „Herrn X verkleidet als Tuareg“, sondern darum, eine alternative oder partielle Identität auszudrücken.

 

Diese Hybridität der kulturellen Identität erlaubt es uns, ein besonderes Terrain zu betreten, einen ambivalenten Ort, an wir unsere Reaktionen überprüfen können. Fühlen sich die Dargestellten nun als Eingeborene (have they „gone native“), mit allen abschätzigen Implikationen ? Sind sie im Besitz von Pässen, die ihnen den Zutritt zu zwei Welten erlaubt? Sind sie KosmopolitInnen, dauerhaft Expatriierte, oder TänzerInnen zwischen Kulturen? Ob ihr Motiv nun „ernsthaft“ ist, oder ob es sich um die Verwirklichung alter Kindheitsträume handelt, Paul Parin beschreibt dies in treffenden Worten. Er schreibt, dass es sich um „Wirklichkeiten des Geistes“ handelt, um „... psychische Realitäten. Sie sind kein Ersatz für wirkliches Reisen, münden aber in einer oft unbändigen Sehnsucht, wirklich einmal dort zu wandeln oder zu leben. Das ist in vielen dieser Texte zu lesen. Solche Kindheitsphantasien werden nicht aufgegeben; sie sind es vielmehr, die das Fremde zum eigenen Leben machen, die Vielfalt der Erfahrungen zusammenfassen und der neuentdeckten Wirklichkeit Plastizität verleihen.“