Die „Individuen“,
die auf ihrer Haut die gleichen tätowierten Designs haben, wie die „Stämme niedriger Zivilisationsstufen“, haben deren sozio-religiöse
Bedeutungen und Kontexte abgelegt. Dieses Spiel von Realität und Bild spiegelt sich auch in dem Nebeneinander der „echten“ Tätowierung (die
nur eine Repräsentation ist, ein Faksimile) und der Tätowierung auf dem T-Shirt (das tatsächlich existiert, aber nur als eine Haut, die
man tragen kann, gelegentlich) wider. Jedenfalls sind beide nur „hautdünne“ Repräsentationen auf der Oberfläche des Fotopapiers.
„In Missachtung der städtischen Anordnungen, saß er rittlings auf der Kanone Zam-Zammah auf ihrem Ziegelpodest gegenüber
dem alten Ajaib-Gher - dem Wonder House, wie die Eingeborenen das Lahore Museum nennen.“ Das sind die ersten Zeilen aus Kim von Rudyard
Kipling. Es ist die Geschichte eines verwaisten, armen weißen Jungen in Indien, der zum Protégé eines gewissen Colonel Creighton
vom Ethnological Survey wird. Der Colonel fördert dessen Talent zum Spionieren und rekrutiert ihn für den britischen Secret Service.
|
 |
Pongers From the Wonderhouse enthält nicht nur diese Referenz auf das Museum in Indien, sondern die Idee der Wunderkammer schwingt
mit, das Kuriositätenkabinett der Barockzeit, das die Grundlage für unsere heutigen institutionellen Museen bildete. Formal spielt die Arbeit
auf diese Periode an, vor allem auf vier Arbeiten von Jan
van Kessel - Asien,
Europa, Afrika und Amerika, die er in den Jahren 1664 - 1666 malte. Jedes Gemälde besteht aus einem zentralen Tafelbild umgeben von 16 kleineren,
die durch die Rahmung eine Einheit ergeben. Jedes Bild trägt einen Titel. Bei Afrika heißt das zentrale Tafelbild Der Tempel der Idole.
Die umgebenden Bilder tragen Titel wie Die Kanaren, Mozambique, Tripolis etc. Die Mehrheit zeigt Tiere bei verschiedenen (glaubwürdigen
und unglaubwürdigen) Aktivitäten, aber der Maler war auch nicht abgeneigt, ein paar Meerjungfrauen einzubauen (Kap St. Augustine), um
das Ganze ein wenig zu beleben. Ponger entlehnt die Struktur und umgibt das Zentrum mit Schimären des 21.
Jahrhunderts, indem sie die „Trabantenbilder“ durch Filmstills ersetzt - reflektierte Stereotype, durch Licht lebendig gemachte Fantasiefiguren und Träume,
in denen Wünsche
wahr werden.
Die Filmstills - aus Spiel- und Dokumentarfilmen wie King Kong (1933), Die blonde Frau des Maharadscha (1962), Teufel
im Fleisch (1963) oder The Disembodied (1957) - heben die Arbeit auf eine andere Realitätsebene, destabilisieren den scheinbar dokumentarischen
Charakter der Mise-en scène des zentralen Motivs und weisen gleichzeitig auf eine Konfrontation mit kulturellen und Gender-Stereotype als mögliche
Lesart hin. |